Alternative Vorlesung zur Sozialökonomie an der Alster 06.06.2011
Im Protestcamp der Studierenden an der Alster finden die von der Fachschaft Sozialökonomie organisierten alternativen Vorlesungen statt, nachdem die der Fachbereich besetzt wurde. Die Studierenden ließen sich durch eine plötzlich erstarrte Verkers-Polizeikamera auf ihr Camp, eine Abrißandrohung sowie schließlich ein ausgesetztes Verbot für Lautsprecher (wohl Ausdruck polizeilicher Wahrnehmung von Demonstrationsfreiheit in Hamburg) nicht entmutigen. Während das Präsidialamt auf der Mönckebergstr. durch Auslagerung “normaler Vorlesungen” auf die Mittelverknappung hinweist, haben sich die Studierenden der Ex-HWP entschlossen, der Öffentlichkeit solche “alternativen” Vorlesungen anzubieten, die den unmittelbaren Nutzen und das Interesse der Universität für “Ihr” Hamburg demonstrieren sollen.
Sozialökonomie als eine Wissenschaft, die Menschen mit Sinn für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Mehrheit der Bevölkerung ausbildet, soll deutlich machen, warum in der vom regierenden Bürgermeister heraufbeschworenen Alternativität zwischen Kitas und Uni, Hafen und Sozialsektor eine Universität, die den deutschen Bildungsnotstand aktiv angeht und Rechenschaft über die Mittelverwendung abgibt, durchaus bestehen kann.
Dabei sehen die Studierenden im Unterschied zum Präsidialamt durchaus, dass Vetternwirtschaft und Statusgehabe einiger Hochschullehrer sowie Reptilienfonds durch Studiengebühren durchaus einen kritischen Blick auf den Finanzbedarf erlauben sollten. Die Exzellenzinitiativen haben wohl mehr Korruption bei der Mittelverteilung gebracht als Produktivität. Eine florierende Wirtschaft braucht nicht nur Häuptlinge sondern vor allem eine demokratisch mitdenkende Schar qualifizierter Menschen, die gelernt haben, über den Tellerrand des Profits hinauszudenken.
Nachdem Mittwoch in strömendem Regen unter dem Zeltdach bei ca. 50 Zuhörern zunächst Trudel Karcher, die Koordinatorin des Master of Entrepreneurship vorgetragen hatte, wurde im anschließenden Vortrag von Prof. Udo Reifner, dessen an der Alster nicht projezierbare Powerpoint Projektion hier anhängt, die Frage einer gerechten Studienfinanzierung zur Behebung des Bildungsnotstandes der Unterschichten gerade in Deutschland thematisiert. Die finanziellen Aspekte wurde dabei ergänzt durch die Frage, welches Studium die 83% Arbeiterkinder überhaupt ergreifen würden, wenn sie es sich leisten könnten? Hier hat der Fachbereich Sozialökomie Entscheidendes zu bieten, das dem CDU Senat nichts wert war. Berufserfahrene Studierende, Problem- und Praxisorientierung und eine Multidisziplinarität, die es in Forschung und Lehre erlaubt, die real bekannten gesellschaftlichen Probleme von der Armut über Klima und Politikverdrossenheit so zu diskutieren, dass man nicht immer auf die Zuständigkeit anderer Disziplinen verweisen muss oder kann.
Von den HochschullehrerInnen der Fachbereichs wird erwartet, dass sie sich mit den Vertretern anderer Disziplinen abstimmen, VErständnis und Grenzen erkennen und damit den Studierenden Wegweiser nicht nur in eine Wissenschaft sondern in die Bewältigung realer Probleme der Zukunft weisen. Mit ihren Propädeutika wird zudem ein Klima geschaffen, indem es überhaupt erst lohnend erscheint, Probleme wahrzunehmen. Dass die Betriebswirte hier meist die Archillesverse bilden, weil sie weder in der Wissenschaftsgeschichte noch in ihrem Instrumentarium auf Anderes als die Optimierung von Unternehmen vorbereitet sind, ist die große BEdrohung der EX-HWP, seitdem sie im Namen von Zahlen zur Managementhochschule umfunktioniert wird.
