Sozialökonomie Hamburg

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“Sozialökonomie zu Management” erfolgreich – Studierende wählen die interdisziplinären Fächer ab

November 11, 2011 By: UR Category: 01 News, 03 Sozialökonomie in HH, HWP -> WiSo Fakultät

Die auf dieser Seite befürchtete Umwandlung des einzigen sozialökonomischen Studiengangs mit arbeits- und verbraucherrechtlichem Rückgrat  in einen reinen BWL-Studiengang schreitet weiter voran.

Die Wahl zum Schwerpunkt im Bachelor Sozialökonomie für das 3. – 6. Semester spiegelt die Politik am Fachbereich, bei der mit dem Verweis auf die vorherigen Schwerpunktwahlen Professorenstellen für Rechtswissenschaft und Soziologie massiv abgebaut wurden.  Inzwischen wählen den Rechtsschwerpunkt, für den die HWP einmal berühmt war, nur noch 4% der Studierenden, was angesichts von nur noch anderhalb Professorenstellen im Rechtsbereich auch dem Bild entspricht, dass sich den Studierenden bietet. Die massive Umwandlung in Assistentenstellen und die Verlagerung der Ressourcen in die Wirtschaftswissenschaften hat dazu geführt, dass die Wirtschaftswissenschaften für sich 4/5 der Studierenden auf sich konzentrieren. Das Argument, man müsse jetzt auch die Ressourcen dort konzentrieren, ist also eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Tatsächlich wäre im Augenblick eine andere Schwerpunktbildung für Studierende auch gar nicht möglich, da bei ca. 20 Professoren in den Wirtschaftswissenschaften und 1,6 im Rechtsbereich (keiner im Arbeitsrecht) auch kaum eine Betreuung zugesagt werden könnte.

Hier zeigt sich eine den Betriebswirten eigene Blindheit, wonach allein Absatzzahlen des Produktes Bildung entscheidend sind.  Nach der Studienordnung studiert kein einziger Studierender BWL oder Recht oder … Alle studieren Sozialökonomie, ein interdisziplinäres Fach, das sich seine Daseinsberechtigung nach der Finanzkrise nicht von Volks- und Betriebswirten erklären lassen muss. Von Ackermann bis Hellwig schreiben sie selber, dass das öffentliche Interesse und die Bedürfnisse der Menschen in der Wirtschaft zu wenig Beachtung gefunden haben. Das bedeutet, dass 50% der Fächer auch bei den sog. BWlern nicht in der BWL liegen sollen und es eine Reihe rechtlicher und soziologischer Pflichtfächer gibt. Wie anders erklärt sich sonst, dass im Grundkurs Recht 412 Studierende keinen Saal mehr finden und im Kurs Zivilrecht über 200 sich drängen, wo doch nur knapp 30 pro Semester als einschlägig gezählt werden.

Für interdisziplinär interessierte Studierende hatte Hamburg in der HWP ein paar Hundert Studienplätze, die zudem noch Praxiserfahrung prämierten. Das sollte auch in der Universität so bleiben. Wer reine BWL studieren will, kann dies in der selben Fakultät nebenan im Fachbereich BWL studieren. Was also soll der Unsinn, wenn der Exponent dieser Umwandlung der HWP, Prof. Bassen, nicht nur Professoren durch Assistenten ersetzt sondern auch noch Soziologie und Recht in BWL-Stellen verwandelt und dann behauptet, seine Corporate Social Responsiblity, eine reine BWL Disziplin, könne das Soziale an der Ökonomie schon abdecken.

Aktuell kann man diese Sozialöknomie in Hamburg kaum mit ihrer Akkreditierung vereinbaren. Sie wird weiter systematisch bei Studierenden und Dozenten abgebaut und von Personen gemanaged, die keine interdisziplinäre Kompetenz aufweisen.

Der nächste Schritt wird schon vorbereitet. Die bestehenden zwei Wirtschaftsrechtsstellen sollen umdefiniert, die Dritte vakante Stelle gestrichen werden. Der Bereich Finanzdienstleistungen und Verbraucherschutz untergehen nachdem das Arbeitsrecht ohnehin eine Lehrauftragsveranstaltung ist, die keine Interessenten mehr anziehen kann.

Noch gibt es im Fachbereich Sozialökonomie eine kompetente interdisziplinäre Gruppe von Hochschullehrern und viele Studierende, die für dieses Fach nach Hamburg kamen und sich dafür engagieren.  Auch im Fachbereich Soziologie der Fakultät regt sich Widerstand gegen die kleine Gruppe derjenigen, die den Mangel an demokratischer Legitimation zur Ressourcenverteilung nutzen. Auch die Alumni Gesellschaft der ehemaligen HWP könnte vielleicht aufwachen und ihre Begleitung der Beerdigung ihrer einstigen Alma Mater zugunsten einer kritischen Begleitung und Einmischung aufgeben. Die Verquickung von Vorstand mit Wirtschaftswissenschaft und Verwaltung im Fachbereich hat nicht gut getan.



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